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Great Walks of New Zealand - Erfahrungsbericht

Neuseelands schönste Wanderwege

Im Frühjahr 2013 bin ich, zusammen mit Mathias, sechs Wochen durch Australien und Neuseeland gereist. Neben unzähligen Städten und tollen Erfahrungen sind mir vor allem die Great Walks in Neuseeland in Erinnerung geblieben. Tagelange Wanderungen durch eine nahezu unberührte Natur, ein jeder Great Walk einzigartig.

Hintergrund

Die Great Walks sind eine Reihe von Wanderwegen in Neuseeland und verteilen sich auf die Nord- und Südhälfte der Insel. Sie führen durch die schönsten Gegenden des Landes und werden eigens von einer Behörde (Department of Conservation „DoC“) verwaltet. Diese Information ist deshalb so wichtig, weil man ohne das DoC keine Möglichkeit hat, diese neun Wanderwege zu betreten.
Prinzipiell sind alle Wanderwege kostenlos zu betreten. In einigen Fällen (Wie dem Milford Track) liegt der Eingang an einem Fjord, sodass eine Fähre notwendig ist. Tatsächlich aber ist man auf die Übernachtungsmöglichkeiten des DoC angewiesen, wenn man die Great Walks nicht nur als Tageswanderer besuchen möchte. Die Übernachtung und die komplette Durchquerung eines jeden Walks sind absolut zu empfehlen. Jeder Wanderweg geht von 2-6 Tagen, je nach Kondition und Länge des Weges. An die einzelnen Tagesetappen von Hütte zu Hütte muss man sich in der Regel richten, nur selten kann eine Hütte ausgelassen und direkt die nächste oder das Endziel angesteuert werden.
Zur Hauptjahreszeit ist eine Voranmeldung bis zu sechs Monate vorher unbedingt notwendig. Gerade der Milford Track, der wohl bekanntes Walk, hat eine solche Vorlaufzeit. Das liegt daran, dass pro Übernachtung in den Hütten des DoC nur maximal 40-60 Personen, je nach Walk, hinein passen. Ebenso viele sind dann auch auf dem Walk unterwegs. Auf manchen Walks ist auch eine Übernachtung im Zelt möglich. Hier gilt es sich genauestens zu informieren.
Darin liegt allerdings auch das Schöne an den Walks: Durch die geringe Anzahl an Personen ist man auf dem Weg völlig alleine und nur selten wird man von einem anderen Weggefährten überholt oder tut solches selbst.

Vorbereitung

Um die Walks wandern zu können, ist eine gute Planung Pflicht! Gerade in der Hauptreisezeit sind die Hütten schnell belegt. Man bucht diese direkt beim DoC (Siehe Hintergrund) und bezahlt mit Kreditkarte. Die Eintrittskarten holt man vor Ort in einem DoC Center ab, welches überall in den Städten oder bei den Walks vorhanden ist. Bei manchen Walks muss man sich bereist entscheiden, ob man bspw. eine Hütte ausläßt, weil man schnell unterwegs ist, oder eine Zwischenübernachtung wahrnimmt. Hier gilt es, die eigene Kondition abzufragen. Auch ist es manches Mal notwendig, eine Anfahrt mitzubuchen, das DoC bietet dies an. So kann man bspw. beim Milford Track eine Bus- und Fährfahrt mitbuchen, so gelangt man von seinem Übernachtungsort (Hier: Te Anau) direkt zum Einstiegspunkt des Walks.

Die Hütten bieten einen geringen Komfort. Die sogenannten „Bunks“ sind zweietagen-Betten, häufig 15 Betten direkt aneinander. Wie man sich dreht und wendet, man schaut seinem Bettnachbarn direkt ins Gesicht. Das kann eine tolle Erfahrung sein, bei Schnarchern aber auch durchaus anstrengend. Es empfiehlt sich etwas für die Ohren und eine Schlafbrille. Die Betten bestehen aus einer einfachen, relativ weichen Matratze mit Gummiüberzug. Hier benötigt man einen Schlafsack und auf Wunsch ein Inlet. Auch ein Kopfkissen kann hilfreich sein. All dies kann man sich in den Orten mieten, wenn man es nicht selbst bis Neuseeland mitnehmen will. Die Qualität unterscheidet sich dabei enorm, man sollte seine gemietete Ausrüstung vor Ort in den Sportläden checken. Das Kopfkissen sollte aus einem leichten Stoff, bspw. Nylon/Microfaser bestehen. Auf das Gesamtgewicht an Gepäck ist unbedingt zu achten, denn ein jeder Walk geht pro Tag bis zu 25km.

Die Erfahrung hat gezeigt, dass es sinnvoll ist, wenn man einen leichteren Trackingrucksack für die Walks dabei hat. Den Schlafsack kann man notfalls obendrauf schnallen. Der eigentliche Backpacking Rucksack ist für die maximal vier Tage (je nach Walk) etwas überdimensionert.


Das Wichtigste, was es an Vorbereitung gilt ist die Nahrung. Die einfachen Hütten haben einen Gasanschluss, worauf man kochen kann. Die Lebensmittel muss man sich jedoch selbst mitbringen und für die Tage genauestens kalkulieren, da es unterwegs keine Möglichkeit gibt, etwas nachzukaufen. Lediglich das Trinkwasser muss nur für den ersten Tag rationiert werden, da man in den Hütten frisches Quellwasser abzapfen kann. Drei Liter pro Tag sollte man bei sich führen. Es empfiehlt sich, kleinere Einzelflaschen zu nehmen. Läuft eine Flasche aus, hat man noch genügend Trinkwasser zur Reserve. Die Orte bei den Walks haben sich alle auf die Wanderer eingestellt. Man bekommt hier Pulvernahrung, die man mit kochendem Wasser aufgießt und eine leckere Mahlzeit erhält. Als Geschirr reicht dabei eine große Aluminiumtasse für einen halben Liter Wasser und Essgeschirr. Auch ein Feuerzeug zum Anzünden des Gaskochers ist notwendig. Die Geschmacksrichtungen reichen bei der Trockennahrung von Spaghetti Bolognese über Beef Bourguignon bis hin zu Erdbeerjoghurt und Wein. Neben diesen Hauptspeisen empfehlen sich Nüsse, da sie ausreichend Kraft für die Wanderung geben. Eine große Tüte gemischter Nüsse und ggf. Trockenobst ist zu empfehlen. Auch Kekse waren auf den Hütten abends, wenn alle angekommen waren, sehr begehrt :-)

Zum Frühstück eignet sich Toastbrot und Nutella in kleinen Plastikschalen. Auch kleine Plastik-Marmeladenschälchen sind vorteilhaft. Beides wiegt nicht viel und gibt eine ausgewogene Mahlzeit.

Zu guter Letzt empfiehlt sich für die Kaffeetrinker Trockenpulver für Kaffee. Nichts geht über eine heiße Tasse Kaffee bei Sonnenaufgang auf einer der Hütten in den Bergen Neuseelands.

Zu beachten ist, dass der gesamte Müll immer mitgeführt werden muss und erst am Ende eines Walks entsorgt werden kann. Außer Tampons ist auf den Hütten keine Entsorgung möglich. Ein Hüttenvater pro Hütte achtet dabei auf eine ordentliche Führung.

Zu guter Letzt noch zwei Infos: Auf den Walks will man nicht immer sein gesamtes Gepäck des Urlaubs mitnehmen. I.d.R. kann man in den Hostels sein Reisegepäck aufbewahren und abholen, wenn man zurück kommt. Und dann wäre da noch die Sache mit dem Regen: Auch wenn wir glück gehabt haben – Neuseeland ist das regenreichste Land der Erde. Auf den Great Walks kann man alles erleben, von Schnee im Sommer bis hin zu 1,50m tiefem Wasser wodurch man muss. Daher ist eine regendichte und zugleich warme Kleidung auf den Walks empfehlenswert. Bewährt haben sich Skiunterwäsche, die man nachts im Schlafsack trägt. Sie wiegt nicht viel und hält gut warm.

Die Walks

Wenn man mich fragt, welcher der schönste meiner gewanderten Walks war, ich könnte es nicht sagen. Ein jeder war so besonders und einzigartig, dass sie alle insgesamt ihren Reiz hatten. Von den neun Walks bin ich drei Walks gewandert.

Abel Tasman Great Walk

Den Abel Tasman Walk starteten wir aus einem Hostel in Motueka. Die Hostelmutter organisierte uns dabei die an und Abreise, was das ganze Erlebnis sehr effizient und zeitsparend machte. So wurden wir von einer lokalen Organisation abgeholt und zum Startpunkt des Abel Tasman gebracht. Hier hat man einige Optionen, wie man den Walk läuft. Entschieden haben wir uns für eine Mischung aus Kayak Tour und Wandern, was ein absolutes Erlebnis war. Die Organisation brachte uns per Taxi-Boot zur Tonga Bay. Hier bestiegen wir unsere mitgeführten Kayaks und paddelten den Tag um Tonga Island (Kleine Robben toben hier um das Bott – absolut sehenswert). Das Meer ist hier zwischen der Nord- und Südhalbinsel absolut ruhig und man kann den Grund des Meeres sehen, fast so als wäre es ein See.

Wir paddelten bis Bark Bay, wo die Organisation uns einen großen Schiffssack am Strand hinterließ. Dort enthalten waren ein Gaskocher, ein Zelt, Schlafsäcke, Isomatten und Essgeschirr. Zusammen mit unseren Raviolidosen hatten wir so ein leckeres Abendessen. Der Cloud: Am nächsten morgen konnten wir das Gepäck direkt am Strand zurück lassen und mussten nichts mit führen. Ein Traum!

Wir marschierten anschließend den 22,5km langen Walk bis zum Ausgangspunkt zurück, wo ein kühles Bier wartete :-)

Der Walk ging dauerhaft am Meer entlang, mal etwas weiter oben, mal direct am Strand. Aber immer mit traumhaften Blick durch die tropischen Blätter des Waldes. Hängebrücken und steile Wasserfälle die wir überquerten, machten diesen Walk absolut einzigartig.

Wer möchte kann diesen Walk auch auf mehrere Tage aufsplitten und verlängern, da es noch wesentlich weiter in den Norden geht. Zelten ist hier möglich, aber auch Hütten sind verfügbar.

Kepler Track (45km)

Unser zweiter Track führte uns ganz in den Süden Neuseelands. Am Lake Te Anau startete unsere Reise am frühen Morgen mit einem kleinen Boot durch den Nebel auf die andere Seite des Sees. Es war, als wäre man in einem Herr der Ringe Film. Auf der anderen Seite angekommen, startete der Walk. War der Abel Tasman von Regenwald, der Küste und vielen Buchten geprägt, verläuft der Kepler Track über die hohen Pässe des gleichnamigen Gebirges. Hier kann es schon im Sommer zu starken Schneefällen und Windstärken von bis zu 170km/h kommen, der Kepler Track hat zu jeder Jahreszeit etwas Besonderes, insbesondere die über 1.000 Höhenmeter haben es in sich. Die Übernachtungen fanden in einfachen Hütten des DoC statt. Trinkwasser kam von den Bächen, Duschen gab es keine, aber Toiletten und Gasanschlüsse zum Kochen waren vorhanden. Auf dem Kepler Track, der uns besonders gut gefallen hat, konnte man von verschiedenen Richtungen aus starten und hatte auf den zwei Übernachtungen immer andere Wanderer um sich herum. Tagsüber waren wir ohnehin für uns, da wir immer die ersten waren, die auf den Hütten ankamen. Wir liefen mit schnellem Schritt die 15-18km Tagesstrecken von Hütte zu Hütte.

Auf jeder dieser Hütten befand sich ein DoC Park Ranger, der am Abend einen Safety Talk abhielt. Hier hatten wir die urkomischsten Gestalten, aber allesamt sehr unterhaltsam, wenn sie von den Geschichten erzählten, was sich auf den Hütten alles zugetragen hatte. Man muss es einfach erlebt haben.

Was uns am Kepler Track besonders reizte, war die Tatsache, dass es immer auf dem Gebirgskamm vorwärts ging. Man konnte am Abend noch sehen, wo man früh morgens gestartet war, wenngleich die Entfernung auch gigantisch war. Am dritten Tag ging es wieder bergab ins Tal und an der Baumgrenze fühlten wir uns dann tatsächlich nach Mittelerde versetzt. Die Wälder hier waren von dichtem weißem Moos bewachsen, es wirkte als sei der Wald schon eintausend Jahre alt.

Ein Tipp zur Kleidung: Skiunterwäsche hilft bei kalten Nächten, eine Zip Hose hingegen ist empfehlenswert, wenn man morgens in der Kühle startet und es gegen Mittag warm wird.

Milford Track (55km)

Der Milford Track war der längste Walk, den wir gelaufen sind. Mit seinen drei Übernachtungen war er jedoch bis auf einen Tag mit etlichen Höhenmetern nicht beschwerlich, im Gegensatz zum Kepler Track, bei dem eine weitaus bessere Kondition erforderlich war. Das war vermutlich auch der Grund, warum das Durchschnittsalter hier wesentlich höher war. Insgesamt hat man auf den Walks kaum noch junge Travel-and-Walkler gesehen. Wir vermuteten, dass diese schlichtweg zu spontan waren, was uns auch einige berichteten. Und daher nur selten noch einen Platz auf einem Walk bekommen haben.

Der Milford Track startete mit einem morgendlichen Erdbeben in Te Anau, führte mit einer Busfahrt und einer Fähre auf dem Lake Te Anau dann zum Ausgangspunkt. Hier starteten wir mit den meißten Teilnehmern, ca. 60 Personen. Das lag an den deutlich größeren Hütten und der Tatsache, dass man nur von einer Richtung aus starten konnte.

Der Weg führte dauerhaft durch eine Fjordlandschaft und ein Tal, umgeben von hohen Bergen die an einem Tag überwunden werden mussten. Die Landschaft ist hier sehr grün, jedoch nicht mehr so regenwaldartig wie auf dem Abel Tasman Walk im Norden der Insel. Gerade auf diesem Walk muss immer wieder mit Regen gerechnet werden, der schnell auch den Weg überfluten kann. Anfang März waren wir davon aber verschont geblieben. Zur Kondition kann man hier sagen, dass es von jeder Person gemeistert werden kann. Vom Alter her war so ziemlich alles vertreten. Wunderschön anzusehen waren hier vor allem die vielen Bachläufe und Seen, an denen man vorbeikam.

Checkliste

To-Do

Reisedaten checken und Buchung vornehmen
Ausrüstungsgewicht prüfen

Mitnehmen

Ohrstöpsel
Schlafbrille
Schlafsack (sofern nicht vor Ort gemietet)
Inlet (sofern nicht vor Ort gemietet)
Kopfkissen (sofern nicht vor Ort gemietet)
Fotokamera
Nahrung (Nüsse, Trockennahrung zum Aufgießen, Kaffeepulver, Toastbrot, Nutella in kleinen Plastiktütchen)
Trinkwasser für den ersten Tag
Regendichte Kleidung, Regencape
Skiunterwäsche (je nach Walk)
1 Müllbeutel
Wasserdichte Beutel
Feuerzeug
Fließpullover
Zip Hose
Große 0,5l Tasse
Chemische Wasseraufbereitungstabletten

 

Mehr über die Reise von Samuel und Mathias

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Kommentare

Alfred

vor über einem Jahr

Neuseeland ist und bleibt ein Traum. Ich war zweimal dort und freue mich auch ein drittes mal auf dieses Land!

ayacekale

vor etwa 12 Monaten

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Kommentar

Samuel Schmidt

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