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TRAVELING AROUND THE WORLD

Von Feinden zu Freunden - in den Bergen 1

Warum kann man nicht so einfach zu den Minderheiten reisen? Wieso benötigt man eine "Erlaubnis"? Warum macht man bei seinen Besuchen völlig unterschiedlichen Erfahrungen? Warum interessieren wir uns so für das Leben dieser Menschen? Noch mehr Fragen?

Der amerikanische Krieg fordert seinen Tribut. Je nach Örtlichkeit des Lebensraums einer Minderheit war das Verhalten im Krieg. Während sich der eine Stamm von den Versprechungen der Südvietnamesen und Amerikaner einlullen ließ (eigenes Königreich, gewisse Eigenständigkeit incl. auf laotischem Territorium! ), weil diese Versprechungen niemals realisiert worden wären bzw. konnten, schlossen sich die anderen Stämme, von den Großgrundbesitzern vertrieben wie viele vietnamesische Bauern, den nationalistischen Rebellen,  von den Amerikanern"Vietcong" genannt an, da sie nichts mehr zu verlieren hatten.  Das Ende des Liedes ist bekannt. Insofern ist die Haltung zu den Kombattanten unterschiedlich und wirkt bis heute nach. Das sollten wir zu spüren bekommen.

Mit unserem Führer machten wir uns auf den Weg, in einem Dorf die Lebensverhältnisse zu beobachten, mit denen die Menschen klar kommen müssen. Größere Schweine und kleine Ferkel laufen uns über den Weg,  Hunde bellen uns mehr oder weniger unfreundlich an.Klopfen an einem Haus, wir, 2 deutsche Paare stehen in gebührendem Abstand,  wartend davor.  Drei Frauen unterschiedlichen Alters bestreiten die Konversation,  schreien eher zornig oder wütend,  unser Führer bleibt ruhig, wir werden nervös. Gehen die Frauen gleich auf uns los und warum? Nervöse Blicke schweifen umher, die Situation entspannt sich nicht. Kommunikation in Form von Gebrüll, gewöhnungsbedürftig. Unser Führer erklärt: So spricht man hier, das sei ganz normal! Allerdings habe die Familie im Krieg drei Menschen verloren, und zwar durch die Amerikaner,  deshalb mögen sie keine Amerikaner!  Unser Hinweis, dass auch wir das Verhalten der Amerikaner stets kritisiert haben, bleibt wirkungslos. Man kennt nur den eigenen Stamm, Vietnamesen und---Amerikaner,  also die mit den langen Nasen.  Wütend wird das Besuchsansinnen zurückgewiesen,  man will uns nicht. Nun gibt auch unser Führer resigniert auf,  nimmt er unsere Blicke wahr?  Wir wollen nicht verprügelt werden!  Er klopft an die nächste Tür,  ähnliche Reaktion einer alten Frau, unser Führer erklärt geduldig und ruhig unser Ansinnen, das Leben im Dorf kennenzulernen,  erklärt, dass wir keine Amerikaner sind. Nach einiger Zeit legt sich das Gekeifer, zögernd betreten wir das Haus der alten Frau, in dem sie mit ihrer erwachsenen Tochter lebt. Die Größe beträgt etwa 3x3 Meter, der Boden ist lehmig, an der Decke hängen wenige Kochgegenstände.Wir sprechen über die Familie, die Tochter, die wenig später neugierig erscheint.  Noch dominiert Skepsis und Zurückhaltung den Raum, wir wissen nicht woran wir sind. Wir stehen im Holzhaus, auf dem Lehmboden,  betrachten die Armut und Einfachheit und warten.  Auf einmal öffnet sich die Tür,  die Frauen von gegenüber, die so abweisend waren, schreien keifernd und zornig, "was das für eine verrückte Familie sei,  die die verhassten Amerikaner..." Aber der Führer unterbricht, die alte Frau und ihre Tochter unterbrechen,  alles schreit lautstark...jetzt fehlen nur noch die Prügel.  Aber es kommt anders. Offensichtlich wurde Überzeugungsarbeit geleistet.  Die vormals wütenden Frauen holen Bänke zum Sitzen für die "Gäste", trotz des lautstarken Durcheinanders entspannt sich die Lage. Wir reden über die Familie,  über Hochzeit.  Die Frauen zeigen uns ihren wertvollen Hochzeitsschmuck, den sie um den Hals tragen,  eine andere holt eine alte wertvolle Keramikschale, ihre Aussteuer.  Das Leben wird uns präsentiert.  Gelächter, freundliche Gesten. Inzwischen sind ca. 10 Frauen aus den Familien versammelt. Lächelnd verkündet unser Führer,  daß die Damen nun der Auffassung seien, "dass die Amerikaner doch ganz nett seien!" Man lädt uns ein, in das andere Haus zu kommen, das wir, die vermeintlichen Amerikaner,  zuvor nicht betreten durften. Man zeigt uns, wie Baumwolle entkernt und gesponnen wird. Schließlich wurde ein Hüftwebstuhl geholt, der zwischen Hüfte und Füße gespannt wurde, und gewebt. Schließlich wurden fertige Produkte gezeigt, die nur für den Eigenbedarf produziert wurden, wunderschön mit naturgefärbter Baumwolle. Begeistert betrachteten wir die Werke und trauten uns kaum zu fragen, ob wir vielleicht. ..dennoch....kaufen könnten. ...und wie war die Antwort? "Nehmt sie doch mit!" Freudige stolze Blicke,  nehmt sie mit, bleibt zum Essen, übernachtet in unserem Haus! Was sollten wir sagen, wir konnten nichts sagen, wir konnten nur staunen über diesen Wandel,  diese selbstverständliche Gastfreundschaft,  diese Menschlichkeit,  diese Herzlichkeit. Natürlich kauften wir eines der gewebten Tücher, lobten die Fertigkeiten und die Schönheit. Wir verliessen die Menschen,  winkend,  mit Tränen in den Augen,  mit dem Gefühl, Freunde getroffen zu haben wohl wissend,  dass man sich nie wieder sehen wird. Das Sein bestimmt das Bewusstsein,  das Sein verändert sich, auch unser Sein. Wir sollten das nicht vergessen. Wir waren ergriffen,  und wenn ich diese Worte schreibe, spüre ich, dass ich es immer noch bin.

Ergänzen möchte ich, D. noch, dass wir einen matriachalen Stamm, von denen es in Vietnam noch einige wenige gibt, besucht haben. Die Frauen suchen sich ihre Männer aus. Der Mann geht mit zur Frau.  Dafür wird den Eltern des Mannes etwas gezahlt,  Schmuck, Keramik, Tiere.... Die jüngste Tochter hat die wichtigste Stellung. Sie bleibt im Elternhaus.

Im zweiten Teil "Feuer" geht es um andere Dinge, aber auch wieder um liebenswerte Menschen,  Feiern mit Reiswein, einem Schamanen und einfachem dörflichen Leben...

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