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Tag 13 - Klettern auf dem Mount Kinabalu

Tag 12 und 13 – Mit seinem Willen kann man Berge versetzen, aber kann man auch welche besteigen?

 

Ja, Man(n) kann, aber ich fange am besten mal von vorne an. Es ist 6:00 Uhr in der Frühe, mein Wecker klingelt und ich springe enthusiastisch und zugleich leichtfüßig aus meinem Bett um die anderen beiden Jungs nicht zu wecken, die in Kota Kinabalu bleiben. Mein Herz pocht und ich bin seit dem ersten Klingeln des Weckers top fit, denn ich freue mich! Trotz der 25 Grad Außentemperatur streife ich meine lange Softshellhose über die Skiunterwäsche, ziehe dicke Socken und ein T-Shirt an. Mein Rucksack beinhaltet nur das Notwendigste für zwei Tage. Am heutigen Tag werde ich den ersten Aufstieg bis in das Basislager vornehmen. Um 6:30 werde ich von Josephine und einem Fahrer abgeholt und nach einem leckeren Frühstück (Reis mit Hühnchen pikant gebraten!) in den Nationalpark gefahren. Während sich Josephine um die Anmeldung kümmert und uns einen Guide organisiert, kämpfe ich noch immer mit meiner Erkältung und den dazugehörigen Hustenanfällen, die ich mir im Tune-Hotel bei einer zu kalt eingestellten Klimaanlage eingefangen habe. Um ca. 10 Uhr geht’s dann endlich los. Ich befinde mich in meinem Element – den Bergen! Wir machen heute den 5,5 km langen Vorstieg bis in das Basislager. Die durchschnittliche Zeit für die Besteigung dorthin beträgt knapp unter 6 Stunden. Ich übernehme die Führung und ziehe meine Gruppe, die aus dem Guide und Josephine besteht, in knapp über 4 Stunden hoch. Kurz vor Erreichen des Basislagers überraschte uns unvermittelt ein Gewitter und der dazugehörige Regenschauer sorgte dafür, dass wir bis auf unsere Skiunterwäsche nass wurden. Im Basislager angekommen mussten wir uns zu erst im Gästebuch verewigen – wir waren die Nummer 3, 4 und 5, die an diesem Tag das Lager erreichten. Nach unserem Check-In gab es erstmal ein paar Tassen Tee, um uns von Innen aufzuwärmen. Ich erkundigte mich gleich nach einer warmen Dusche, die mir auch von Adréw versprochen wurde.



So packte ich meine Duschsachen und etwas neues zum Anziehen ein und ging in den Badebereich. Dieser befand sich im Außenbereich des Lagers, es waren lediglich 8 Grad. Leider wurde mir von Andréw zu viel versprochen! Die Duschen waren eiskalt und ich bei den 8 Grad Außentemperatur nur noch ein Eiszapfen. Also wieder schnell anziehen und in die unbeheizte Hütte, die höchstens 15 Grad hatte. Um wieder warm werden zu können, trank ich erneut drei dieser „typical Borneo Tea“, die ich seither nicht mehr sehen kann. Um 18 Uhr gab es dann in einer ca. 200 m weiter unten gelegenen Hütte ein leckeres Buffet, dass in den 1.350 Malaysischen Ringit inbegriffen war, die ich für den Trip auf den Tisch gelegt habe. Wohl gestärkt ging es nach einer kurzen Einweisung gegen 20 Uhr ins Bett. Gegen 1:30 am Morgen riss uns eine Männerstimme aus dem „Schlaf“. Schlaf? Von Schlaf konnte man auf 3.500 m Höhe nicht sprechen, denn bis auf das englische Mädchen, was ich bis dato noch attraktiv fand, aber mich dann durch Ihr doch recht heftiges Schnarchen vom Schlafen abgehalten hat, konnte keiner so recht schlafen. Also machten wir uns fertig, aßen etwas von dem komischen englischen Frühstück (Toast, Butter und Marmelade...also ein richtiges Sportlerfrühstück) und warteten auf unseren Führer. Die ersten Gruppen brachen bereits um 2 Uhr Nachts zum Aufstieg auf, aber nach dem Tempo das wir am Vortag vorgelegt haben, meinte unser Guide, dass wir erst um 3:00 starten sollten, um nicht zu lange vor dem Sonnenaufgang auf der Spitze zu sein, da es recht kalt dort oben sein soll. Josephine begleitete uns heute nicht mehr. Sie wartete lieber auf uns am Checkpoint. Punkt 3 Uhr ging es dann auch endlich für mich los. Vor uns zog sich bereits eine lange Schlange mit Taschen-/Stirnlampen bewaffneter Menschen, die genauso heiß waren den Berg zu besteigen wie ich. Gleich zu Beginn starteten wir unser Überholmanöver und zogen an einigen der vor uns gestarteten Gruppen vorbei. Meine Beinen fühlten sich erstaunlich fit an und der Guide bekam das auch zu spüren. Als wir den Checkpoint passiert hatten waren wir doch schon wieder recht weit vorne an der Spitze. Der Großteil der anderen Gipfelstürmer befand sich mittlerweile hinter uns. Nun kamen wir in eine Region, in der ich noch nie zu vor war.

 

Der Sauerstoff wurde merkbar knapper und meine Beine fühlten sich an wie Blei. Schritt für Schritt zog sich die Schlinge um meinen Hals enger und sorgte dafür das der Aufstieg nicht so einfach verlief, wie ich es erwartet und erhofft hatte. 400 m vor dem Gipfel musste ich dann meinem Körper die erste Pause gönnen und mein Wasser zu trinken und den Kreislauf und das Herz runter fahren. Diesen Prozess wiederholte ich noch weitere vier Mal, bevor ich dann endlich gegen halb 5 auf dem Gipfel stand. Unser Tempo an diesem Tag war trotz der Pausen doch wieder recht flott, so dass wir unter den Top Ten auf dem Gipfel waren. Wie so oft, hat auch diese Medaille zwei Seiten und der Sonnenaufgang erfolgt nach meinem Guide erst in ca. 45 Minuten. So machten wir dann erst Fotos und ich suchte mir eine winddichte Nische, in die ich mich so lange legen konnte, denn meine Klamotten waren noch nass von der Regenschauer am Vortag und dem Schweiß der Besteigung. Diese Zeit bis zum Sonnenaufgang kam mir unendlich lang vor und ich wünschte mich nur noch weg von diesem Platz und spielte zwischenzeitlich auch mit dem Gedanken auf den Sonnenaufgang zu verzichten und
meiner Gesundheit zu liebe früher abzusteigen, aber das konnte ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren und verharrte diese Zeit noch auf der Spitze. Nach ca. 45 Minuten war dann auch der Großteil der Gipfelstürmer auf dem Bild und die Sonne ging auf.

 

Leider war das Wetter heute nicht so berauschend und der Sonnenaufgang zeigte sich nicht von seiner besten Seite. Nach ein paar Fotos stieg ich dann relativ flott wieder mit meinem Guide ab, da es einfach nur kalt war auf der Spitze. Auf Josephines Empfehlung vor 8 Uhr am Checkpoint zu sein, haben wir uns schnell an den Abstieg gemacht und begrüßten bereits gegen 6:30 die überraschte Josephine, die noch nicht mit uns gerechnet hat. Am Treffpunkt gabs dann erstmal einen warmen Tee und wir warteten auf andere Gipfelstürmer, die ebenfalls das Adrenalin suchten und über den Klettersteig den Berg verlassen wollten. Nach einer Stunde waren dann genug dieser „Adrenalinjunkies“ unten, um nach einer kurzen Einweisung und dem Anlegen von dem Gurt und dem Helm ging es dann endlich los und wir stiegen mit Rachel (Schweiz), Ernesto (Spanien) und Walter (Österreich) ab. Durch geschwitzt und erschöpft kamen wir nach knapp einer Stunde im Basislager an. Nach einem weiteren dieser ekligen Tee´s und Würstchen, Toast und Bohnen ging es dann weiter talwärts. Für diesen Abstieg benötigt man eigentlich 4 Stunden, aber diesmal knüppelte Josephine uns in knapp 2:30 runter ins Tal und ich hatte Mühe ihren flotten Beinen zu folgen. Viel länger hätte der Abstieg für mich aber auch nicht sein dürfen, denn meine Beine waren durch die Belastungen der letzten zwei Tage übertrieben müde und ich war froh kurz vorm Ziel noch zwei alte Bekannte zu sehen, die mir die frohe Botschaft übermittelten, dass es nur noch ca. 10 Minuten sind zu dem Punkt, wo unser Bus wartet.

 

Die zwei Bekannten waren David, der verrückte Engländer und seine australische Freundin Liz, die ohne Handschuhe und gute Ausrüstung an diesem Tag den Aufstieg wagen und nach meinen Erzählungen noch mehr Angst hatten als zuvor ;) Nach einem netten Plausch mit den beiden ging es dann auf die letzten Meter und gegen 13 Uhr waren wir dann überglücklich unten und tranken erstmal eine schöne erfrischende Cola zusammen und aßen Buffet in dem Restaurant unten am Berg, aber wir waren so erschöpft das wir außer einem Salat und einer Suppe nichts runter bekommen haben.

 

Fazit: Es war ein super Erlebnis für mich an meine Grenzen zu stoßen und einen Bereich zu betreten, in dem es an Sauerstoff mangelt. Leider waren die Umstände der Besteigung auf Grund der Erkältung und dem Wetter nicht optimal, aber ich bereue es nicht diesen 4000er bestiegen zu haben, denn wer weiß wann man mal wieder so eine Möglichkeit hat.

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