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Andromedanebel oder Atlantis?

Wie alle wissen,  kamen die Mayas aus dem Andromedanebel auf die Erde, hinterließen ein paar nette Pyramiden und astronomische Zeichen und machten sich dann, bevor die Spanier kamen, wieder auf die Reise. Gut, Däniken lässt grüßen.  Vielleicht kann man eher glauben, dass die Mayas sich aus dem versunkenen Atlantis auf den mittelamerikanischen Kontinent gerettet haben und dort ein paar nette Pyramiden usw. usf hinterließen.  Aber wo sind sie dann geblieben?

Zunächst einmal ist festzustellen,  dass nicht die Mayas,  sondern die Olmeken als Ur-kultur Mexikos gesehen werden, die ca. dreitausend Jahre vor unserer Zeitrechnung das Gebiet Mittelamerkas besiedelten und dann vom Volk der Mayas "abgelöst" wurden, die - so die Forschung- wesentliche Elemente deren Kultur übernahmen und weiterentwickelten. 

Die Mayas lebten ursprünglich in den Gebieten des heutigen Guatemala, Belize und südlichem Mexiko. Die Mayas waren keine homogene Gruppe,  die friedlich ihr Zusammenleben praktizierten. Verschiedene Gruppen lebten in unterschiedlichen Städten  zu unterschiedlichen Zeiten. Das Rad war für sie erstaunlicherweise unbekannt war,  obwohl an Pyramiden Kreissymbole zu sehen sind. Sie besaßen großartige Kenntnisse,  vor allem im Bereich der Astronomie.  Aber auch wie sie ihre Städte,  ihre Bauwerke planten und bauten (bauen ließen z.T. durch Gefangene), ist überwältigend. Ebenso wie die Wasserspeicherung und -versorgung.

Es würde diesen Blog sprengen,  wenn ich hier über die gesamte Geschichte der Mayas referieren würde. Die Darstellungen bei Wikipedia im Netz oder in Reiseführern sind durchaus hilfreich. Aber ein paar Aspekte möchte ich doch anführen.

Die Mayas lebten in Städten mit guter Wasserversorgung und der Möglichkeit,  die Bevölkerung zu versorgen.  Religiöse Zeremonien und wissenschaftliche Erkenntnisse dienten der Sicherung der Existenz. Aber irgendwann wächst die Bevölkerung und ist gezwungen,  neue Lebensräume zu erschließen.  Wir kennen das!

Aus Guatemala,  dem heutigen südlichen Mexiko Chiapas und Oaxaca zogen Gruppen weiter nach Norden,  schließlich bis Yucatan. Dabei verlief die Wanderung nicht friedlich,  sondern durch Eroberung, Vertreibung,  Vernichtung.  Und das über den Lauf der Zeit. Sieger wurden besiegt, Besiegte besiegten Besieger. Ein andauernder Kampf um die Vorherrschaft über die Jahrhunderte. Dies lässt sich anhand der Pyramiden feststellen,  die oft dreifach überbaut wurden,  deren Elemente also aus unterschiedlichen Zeiten stammen, von unterschiedlichen Maya-Völkern.

Während im südlichen Bereich,  im Bergland,  Wasser im Überfluss vorhanden war,  fehlte diese Voraussetzung im nördlichen heutigen  Yucatan, Es mussten Bewässerumgssysteme gefunden , das Regenwasser gesammelt und das Grundwasser,  das in den sog. Cenoten (eingestürzte Kalksteinhöhlen) zu finden war, geschützt werden. So lässt sich nachweisen,  dass die Hauptpyramiden, die größten Heiligtümer, über Zenoten gebaut wurden. Verzierungen an den Tempeln in Uxmal weisen darauf hin, wie wichtig die Verbindung von Wasser,  Ernte und Leben war (und ist). Siehe Bild.

Man muss sich darüber im klaren sein, dass es sich bei den Mayas um eine erstaunliche Hochkultur handelt,  die alles andere als friedlich und schon gar nicht demokratisch in unserem Sinn organisiert war. Die Heiligtümer durften nur von Priestern und den Kazikes , den "Adligen" betreten werden. Neben religiösen Handlungen ging es vor allem auch darum,  den richtigen Zeitpunkt für die Aussaat und die Ernte zu bestimmen.  Insofern war der Mayakalender,  der uns heute noch fasziniert,  auch der Ausdruck des Alltäglichen,  aber natürlich nicht nur.  Die Exaktheit der Bestimmung der Dauer eines Kalenderjahres,  die Abweichung um wenige Minuten,  beruhte auf hundertjähriger Beobachtung und Erfahrung. 

Menschenopfer. Menschenopfer passen in unserem Verständnis nicht zu einer Hochkultur.  Sowohl in heilgen Cenoten als auch an anderen Stellen wurden Skelette gefunden, die auf Menschenopfer hinweisen.  Beim sog. Ballspiel, das keine Vergnügungsveranstaltung war, handelte es sich ebenfalls um ein heiliges Ritual, bei dem am Ende Menschen geopfert wurden. Sicher ist, dass in frühen Zeiten nur "Adlige" an diesem Spiel, in dem auf besondere Art und Weise eine Mannschaft einen harten,  ca. 3 kg schweren Kautschukball (Symbol der Sonne)  mit Hüfte und Armen durch einen hoch gehängten Ring zu bringen hatten, teilnehmen durften. Tatsächlich kam es dann am Ende zu einer Opferung. Man ist sich nicht so sicher, aber man geht davon aus, dass der "Kapitän" der siegreichen Mannschaft "die Ehre hatte", geopfert zu werden. Im Laufe der Jahrhunderte veränderten sich sowohl die Regeln,  die damit in den unterschiedlichen Städten der Mayas unterschiedlich waren, als auch die Teilnehmer. Man vermutet,  dass in späteren Zeiten Gefangene oder einfache Bewohner das Spiel spielten. Da mag sich dann der Sinn verändert haben,  aber sicherlich nicht grundsätzlich.  Denn immer ging es darum, über die Opfer die Götterwelt im Himmel, auf der Erde und in der Zwischenwelt freundlich zu stimmen,  um das Überleben zu sichern. Der Regengott (Chaan) sass mit seinen vier Kindern, die die Aufgabe hatten, den Regen über das Land zu verteilen, in den Tiefen der Erde in der Unterwelt. Ihn galt es gnädig zu stimmen,  damit seine vier Kinder aktiv wurden. Je schwieriger das Gebiet, in dem man lebte (Yucatan), umso größer die Zahl der Opfer,  da Chaan als unersättlich galt,  gab es doch so wenig Regen. Damit erklären sich auch die Kinderopfer, die erfolgten.  Insgesamt fand man jedoch 80% männliche Opfer, wenige Frauen,  wenige Kinder. In der patriarchalischen Gesellschaft war das Männeropfer von größerer Bedeutung.  Es ging also insgesamt vor allem darum, das Überleben des eigenen Volkes,  der eigenen Kultur zu sichern. In diesem Sinne waren die Opfer nicht sinnlos, willkürlich, sondern entsprachen einer vermeintlichen gesellschaftlichen Notwendigkeit. 

Das Ergebnis der Forschung macht deutlich, dass das Verhältnis von Leben und Tod ein ganz anderes war als in unserem Verständnis.  Deshalb  war es ursprünglich ehrenhaft, geopfert zu werden, weil es eine würdevolle Existenz in einer anderen Sphäre garantierte. Der Tod war in diesem Sinne kein tragisches Ereignis,  sondern - auch wenn es mir schwer fällt, das so zu schreiben - fast ein Glück. Löcher in den gefundenen Schädeln zeugen davon, dass das Aufsteigen der Seele ermöglicht werden sollte. Die rituellen Menschenopfer wie oben beschrieben hatten dann aber eine völlig andere Funktion; nur so lässt sich die massenhafte Opferung von besiegten Feinden erklären.  Und noch einmal: Wir sprechen von einem Zeitraum von hunderten von Jahren.  Die in Cichen Itza, einem der letzten grossen Mayastädte, gefundenen Informationen (Reliefs an Tempeln) , zeugen von Ritualen, die man in heutiger Zeit nicht gerne beschreibt oder liest. Aber sie beruhen auf einer (verzweifelten??) Lage, weil die Lebensgrundlage der Bevölkerung aufgrund von mangelndem Wasser und damit verbundenen Missernten nicht mehr erfolgen konnte.  Wichtige Städte wurden aufģegeben, Nahrungsmangel ist eine Erklärung,  vielleicht - so ein Reiseführer- haben Priester in den Sternen Dinge gelesen, die zur Aufgabe führten.  Übrig blieben großartige Stätten,  die von der Natur rückerobert wurden, bis die Azteken kamen. 

Und die Mayas. Rückflug nach Andromeda?

Die Mayas sind ein grosser Teil der mexikanischen Bevölkerung neben den Mestizen. Das Bestreben zur Assimilation durch Zwang scheint in den letzten Jahren zurückgegangen zu sein. Dennoch: Die Mayas repräsentieren den unteren Teil der Gesellschaft,  auf den herabgeschaut wird. Sie machen den schlechtesten Job, verdienen das wenigste Geld und verlieren immer noch Teile ihrer Kultur,  weil Anpassung an die "allgemeine" Gesellschaft der scheinbar beste Weg ist für ein besseres Leben in der heutigen Zeit. Dennoch sind viele Elemente wie das fatalistische Verhältnis zu Leben und Tod wesentlicher Bestandteil Mexikos;  ebenso die Bedeutung der Fiestas, die das Jahr und damit das alltägliche Leben prägen. 

Insofern war der Gedanke,  aus der Geschichte lernen zu wollen,  um die Gegenwart zu verstehen,  nicht völlig aus der Luft gegriffen. 

Unsere Reise durch Guatemala wird uns zu weiteren Mayastätten und vielleicht weiteren Erkenntnissen führen. Der nächste Blog soll von den Zapoteken handeln, die im Raum von Oaxaca lebten und noch heute Bestandteil der dortigeñ Gesellschaft sind, auch mit interessanten dörflichen "sozialistischen" Organisationsformen.

Auf das Beschreiben der Fotos verzichte ich weitgehend. Sie stammen aus den Ruinenstätten Chitzen Itza, Palenque, Uxmal und Ek Balam. Letztere sind weniger besucht, aber für uns war insbesondere Uxmal sehr spannend. 

 

 

 

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