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Oaxaca - Mexico etwas anders?

Oaxaca ist eine Stadt von ca. 600 000 Einwohnern. Das größte Gebäude scheint die Kathedrale zu sein. Ansonsten wirkt die Stadt eher kleinstädtisch mit niedrigen, pastellfarben angestrichenen Häusern im Kolonialstil. Ausserhalb des Unesco-Weltkulturerbe-Zentrums sieht es dann aber ganz anders aus. Da möchte man dann nicht hingucken.

Die Region Oaxaca besteht aus 95% Gebirge, so unsere Information, und damit heißt es stets bergauf und bergab zu fahren und zu wandern. Hier geht es nicht "nur" um die Kultur der Zapoteken ( wir sind nicht mehr im Mayagebiet), sondern um Naturphänomene wie den oben abgebildeten steinernen Wasserfall, den wir besuchten.  Unser Interesse galt besonders den Dörfern der indigenen Minderheit der Zapoteken,  die in der Sierra Norte zu finden sind.

Die Zapoteken waren anders als die Maya nicht kriegerisch, sondern ein Volk der Händler und Reisenden mit Kontakten zu anderen Völkern. Insofern waren die Erfahrungen historisch gesehen anders als die der Mayas. Monte Alban, wenige Kilometer von der Stadt Oaxaca entfernt, war das kulturelle und spirituelle Zentrum. Priester bestimmten hier den Tag der Aussaat, den 8. Mai, der ja auch bei uns eine ganz besondere Bedeutung hat, und den der Ernte. Auch hier wurden Rituale mit Menschenopfern zugunsten des wichtigen Regengottes vorgenommen,  wie an Reliefs sichtbar. (Ursprünglich sah man in ihnen Tänzer,  inzwischen aber ist man der Meinung,  dass es sich um Menschen mit inzestbedingten körperlichem Handycap handeln könne,  die geopfert wurden.) Warum diese Anlage irgendwann aufgegeben wurde, weiss eigentlich niemand. Aufgrund der Sterne, wie unser sehr kompetenter Reiseführer Moises meinte? Niemand weiß es sicher. Die Anlage wurde später von den nachfolgenden Mixteken als Totenstadt genutzt, ähnlich wie Mitzla in der Nähe. 

Heute spricht man in Oaxaca von "Diversität" der Rassen und nicht von Assimilation.  Es bleibt fraglich, inwieweit das gelungen ist,  zumindest in der Stadt. Auch hier gab es in den 90er Jahren und sogar zu Beginn dieses Jahrtausend Demonstrationen für indigene Rechte,  die von Paramilitärs und regulären Militäreinheiten blutig niedergeschlagen wurden.  Dabei wurde auch ein amerikanischer Journalist erschossen,  was zu internationalen Reaktionen führte.  Um es jedoch auf die Spitze zu treiben und sich als besonderer Hardliner zu präsentieren, ließ der Gouverneur weiter schießen und nicht nach den Schuldigen für die Morde suchen,  sondern einen Sprecher der Protestbewegung unter Mordverdacht ( an dem amerkanischen Journalisten) verhaften. Eine wohl nicht seltene Methode, politische Gegner zum Schweigen zu bringen. Inzwischen ist es wohl ruhiger geworden.  Der äußerst verhasste Gouverneur ist nicht mehr an der Macht, wurde aber nie zur Rechenschaft gezogen. 

Diversität bedeutet,  mit den Unterschieden leben zu können/dürfen. Unsere zweitägige Wanderung in die Berge sollte uns daher in die Zapotekendörfer der Sierra Norte führen.  Wir wanderten unter der Führung eines Schweizers,  der mit seiner deutschen Frau seit 20 Jahren in Oaxaca lebt und sich zum Ziel gesetzt hat, einen ökologisch sinnvollen und den Gemeinden der Dörfer nutzbringenden Tourismus zu fördern. Die Dörfer haben sich zum Teil zusammengeschlossen, sodass eine mehrtägige Wanderung durch unterschiedliche dörfliche Territorien möglich ist. Man übernachtet in durchaus komfortablen Cabanans/Häusern.

Die Organisation dieser Gemeinden ist äußerst interessant. Jedes Dorf hat seine Gemeindeversammlung, auf der in einer Art direkten Demokratie Entscheidungen,  die das Dorf betreffen,  gefällt werden. Die Ämter,  einschließlich des Gemeindevorstandes,  sind ehrenamtlich und ohne Bezahlung. Jedes Mitglied des Dorfes soll im Laufe seines Lebens mindestens 9 dieser Ehrenämter über jeweils ein Jahr bekleidet haben; dies gilt für Männer und inzwischen auch für Frauen,  wenn deren Kinder aus dem Haus sind. Mit diesen Ehrenämtern ist auch eine Kast verbunden,  da ohne Bezahlung muss die Familie für den Unterhalt sorgen. Eine Weigerung ist eigentlich nicht möglich, es sei denn, es gibt einen wirklich trifftigen Grund. Eigentlich sieht man das Streben nach Geld nicht gerne,  Tauschgeschäfte sind erwünscht.  Inwieweit das eingehalten werden kann, entzieht sich unserer Kenntnis. Es ist ein kleines sozialistisches Modell, das offensichtlich funktioniert. Wir haben an drei sehr unterschiedlichen Orten diese Versammlungen gesehen, auch außerhalb der unmittelbaren Region Oaxaca auf dem Weg zum Pazifik. Der Gemeinschaftsgedanke scheint zu funktionieren, ein Studium in der Stadt führt noch nicht unbedingt zur Loslösung von dieser Tradition. Eher scheint es wahrscheinlich,  dass die Kinder trotz ihrer städtischen Bildung zurückkommen,  sich ein kleines Haus auf dem von den Eltern zugeteilten Grundstück bauen ( ohne Haus ist man ein Nichts) und somit zwischen den Welten zu pendeln.

 

 

 

 

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