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"Terror" und Gewalt, ist das Chiapas?

Überfälle in Mexiko!  Entführer wollen Lösegeld! Linke Terroristen in Mexiko!

Schlagzeilen, die so in deutschen Zeitungen gestanden haben könnten. Meistens werden sie mit den sogenannten Zapatisten in Verbindung gebracht, die in Ciapas leben und dort ihr Unwesen treiben sollen.  Es bedarf der Differenzierung. 

Als Reisender in dieser Region ist man gewarnt.  Man soll sich bei der Touristeninfo informieren, ob irgendwelche Vorfälle das Reisen mit Bussen behindert hätten.  Wir erhielten die Auskunft,  dass in der letzten Woche nichts gemeldet worden sei. Klang so nicht unbedingt beruhigend. Tatsächlich gibt es wohl ab und an Straßensperren und vereinzelte Ueberfälle,  weshalb  Individualtouristen   mit gemietetem Auto abgeraten wird, diese Route zu wählen. LinkeTerroristen?  Gangster? Ordinäre Verbrecher, die mit der Zapatistenbewegung eigentlich nichts zu tun haben. 

Man muss sich mit dem Hintergrund der Zapatistenbewegung beschäftigen,  um die Dinge zu verstehen. 1994 machte die Bewegung zum ersten Mal auf sich weltweit aufmerksam, als bewaffnete und mit Masken vermummte Männer einige Orte in Chiapas besetzten, nachdem zuvor jahrelange Gespräche über diese von der Zentralregierung vernachlässigte Region und über die bittere Armut der Menschen erfolglos verliefen. Nun schloss die mexikanische Regierung ein Handelsabkommen mit den USA und Kanada, was Konzernen aus diesen Ländern den Zugriff auf mexikanisches Land ermöglicht hätte,  natürlich in erster Linie auf indigenes Land. Das brachte das Fass zum Überlaufen. Das wollten die Zapatisten verhindern,  ausserdem wollte man das brachliegende Land der Großgrundbesitzer,  Rechte, kulturelle Autonomie für die nicht beachteten Indigenen  und politische Eigenverantwortlichkeit,  womit demokratische Verhältnisse gemeint waren. All das war nicht ansatzweise das Interesse der herrschenden Nomenklatura,  der Großgrundbesitzer und der Amerikaner, die ihre wirtschaftlichen Interessen gefährdet und wahrscheinlich den Kommunismus vor der Tür sahen.  Insofern folgte der militärische Gegenschlag mit vielen Toten. Nun wechselten (Schein-)Verhandlungen und militärische Einsätze,  die Wünsche und Forderungen wurden nicht erfüllt.  Die gewählten Präsidenten versprachen viel und verwirklichten nichts. Im Gegenteil: Paramilitärische Einheiten, die nachweislich vom  Militär bewaffnet wurden, verübten ein Massaker an Frauen und Kindern in einer Dorfkirche. Das wiederum führte nicht zu gewollten Gegengewalt durch die Zapatisten,  die dann hätten zusammengeschossen werden können,  sondern zum Marsch der Hunderttausenden,  der wiederum schließlich zu einer schriftlichen Vereinbarung führte,  die einige Forderungen der Zapatisten erfüllte. Umgesetzt wurde diese Vereinbarung bis heute nicht.  Das wussten die rechtskonservativen bisherigen Präsidenten und die sie stützenden Gruppen zu verhindern. Militärisch wäre die Bewegung mit Sicherheit zu besiegen gewesen, aber die geschickte Öffentlichkeitsarbeit der Zapatistenbewegung und die weltweite Wahrnehmung der Probleme konnte das verhindern.  So setzten die bisherigen Regierungen auf Zeit: Man ließ die Region am langen Arm verhungern,  investierte wenig in die Infrastruktur und nichts in das sogenannte Zapatistengebiet. Die Menschen leben weiterhin in Armut,  die man täglich in den Städten, aber besonders auf dem Land sehen kann. 

Die Zapatistenbewegung hat angeblich ein wenig an Sympathie gegenüber der Zeit der großen Märsche 2001 verloren. Ausbleibende oder verunsicherte, die Gegend meidende Touristen reduzieren den Gelderwerb mancher Indigener. Dennoch: Wie schon im Palenque-Blog beschrieben,  existieren basisdemokratische Strukturen in den sogenannten selbstverwalteten Gebieten, die in letzter Zeit von den Militärs nicht mehr angegriffen werden. Es wird sich zeigen,  ob es unter Obrador,  dem neuen Präsidenten weitergeht,  ob die unterzeichnete Vereinbarung zwischen den Zapatisten und der Regierung endlich umgesetzt wird.  Sollte es zu Provokationen der von bestimmten Gruppen finanzierten paramilitärischen Einheiten kommen,  wird es schwierig.  Aber Blockaden von Straßen etc. Sofern diese durch radikale Zapatisten erfolgen, dürften die Lösung des Problems bei allem Verständnis ebenfalls nicht vorantreiben. Die Frage bleibt,  ob die Dinge in die richtige Richtung laufen werden. ..

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