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Besuch in einem besonderen Dorf

San Juan de Chamula ist den meisten BesucherInnen von San Cristobal de las Casas bekannt, wird es doch in allen Reisefuehrern genannt.Einen kleinen Teil der Besonderheiten hatte ich schon 1991 kennengelernt. Jetzt fuhren wir mit zwei sehr gut informierten Reisefuehrern in das Dorf, in dem Touris , die einfach fotografierten, die  Kamera wegenommen bekamen und Pruegel bezogen.

Die wichtigste Sehenswuerdigkeit ist die Kirche, fuer die man Eintritt zahlt. Seit 1996 gibt es dort keinen Priester des Vatikans mehr. Hier wird eine synkretistische Religion gelebt. Wichtig fuer die Dorfbewohner sind die Feste zur Ehre der Heiligen. Der wichtigste Mann dafuer ist der Mayordomus, eine art Zeremonienmeister. Es ist die hoechste Ehre, weshalb sich viele dafuer bewerben. Manche warten Jahrzehnte darauf, manche werden es nie. Auf jeden Fall muss man lange sparen, denn es sind viele Feste auszurichten ,wo viel gegessen und getrunken wird. Wir sahen Vorbereitungen fuer das wichtigste Fest des Jahres. Die geschlachtete Kuh war zerteilt und hing zum Trocknen im Freien. Dies geht zu einem grossen Teil auf Kosten des Mayordomus. Alle Familien im Dorf muessen fuer die Feste bezahlen. Wer das nicht will, kann auch aus der Dorfgemeinschaft ausgeschlossen werden. Ausserdem muss der Mayordomus ein Haus in der Naehe der Kirche mieten, wo er fuer seine Amtszeit mit der ganzen Familie einzieht. Darin ist ein grosser Raum mit so etwas wie einem Altar. Rundherum sind verschiedene Pflanzen gehaengt, die den Altar fast  verbergen. Diese Pflanzen muessen zu festgelegten Zeiten gewechselt werden. Dafuer ist eine Zeremonie des Mayordomus mit seinen Helfern, u.a. auch Musikern in der Kirche bei den Heiligen notwendig. Begossen wird alles mit posh , einem Schnaps, den auch wir bekamen.

An den Waenden der Kirche stehen zahlreiche Heiligenfiguren, geschmueckt u.a. mit Spiegeln vor der Brust. Leider weiss ich nicht mehr die Bedeutung davon. Die Heiligen werden zu verschiedenen Tagen gefeiert und so gibt es im Dorf viele Feste. Es gibt keine Baenke; der Fussboden ist mit langen Kiefernnadeln belegt. Menschen knien auf dem Fussboden, brennende Kerzen vor sich, oft in verschieden farben, entsprechend dem wofuer sie bitten, durchaus auch fast in normaler Lautstaerke. Coca (Cola sagt man hier nicht, denn es bedeutet Schwanz) und andere Dinge aus dem taeglichen Leben stehen daneben. Eine Frau geht herum und reinigt die Heiligen mittels Rauch. Und zwischem allem stehen und laufen Touris herum. Viele, viele Kerzen brennen. Eine ungewoehnliche Atmosphaere, die interessant war, wo ich mich aber nicht wohl fuehlte. Uebrigens mussten wir Eintritt zahlen.

Das Dorf, das eine Flaeche von 350 ha hat und mit ca. 80.000 Einwohnern, die z.t. sehr verstreut wohnen , steht auch fuer handgreifliche Auseinandersetzungen und Vertreibungen von EinwohnerInnen. Seit den 80iger Jahren kommen evangelikale Gruppen aus den USA nach Mittel- und Lateinamerka und bauen dort eine unglaubliche Anzahl von Kirchen auf. So gibt es z.B. in San Cristobal 70 verschiedene Religionen, groesstenteils Evangelikale. In Chamuala akzeptiert die Mehrzahl keine andere Religion. Die, die sich den Evangelikalen anschlossen (z.T. auch, weil sie die Beitraege fuer die vielen Feste nicht mehr zahlen wollten) wurden nicht mehr geduldet. Wer nicht freiwillig ging, wurde gezwungen. Dabei wurden auch Haeuser angezuendet. 1991 sah ich viele dieser aus Chamula vertriebenen Menschen in San Cristobal. Damals hatten sie noch keine neue Bleibe. Die Stadt gab ihnen irgendwann Land und dort steht heute Neu San Cristobal. Die meisten der flegenden Haendlerinnen, oft auch Kinder, kommen von dort. Inzw. gibt es auch Familien, die mit dieser Religion in Chamula geduldet werden.

Das Land gehoert der Gemeinde, auch wenn jede Familie fuer ihr Land das Nutzungsrecht hat, das auch vererbt wird. Da das Land den Maennern zugeordnet ist, kann kein Mann von ausserhalb in das Dorf ziehen oder einheiraten. Eine Frau schon. So bleibt dieses Dorf ziemlich unter sich. Bereits gegen die Spanier leisteten sie lange erbitterten Widerstand und wurden nicht unterworfen. In der weiteren Geschichte wehrten sich sich ebenfalls erfolgreich. Von aussen betrachtet sieht es eng und intolerant aus. Aber vielleicht ist das eine Moeglichkeit, dass sich indigene Kulturen, die sich anderenorts schon aufgeloest haben, bewahrt werden koennen.  

Dorothee

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