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Sturm an der Westküste

Da Nelson einer der Startpunkte der Intercity-Routen ist, ging es am Mittwoch recht früh los Richtung Westküste. Gegen Mittag erreichte ich Punakaiki, eine winzige Siedlung oberhalb der Pancake Rocks. Diese Felsformation direkt an der Küste trägt seinen Namen, weil die Steine aufgrund von Sediment-Ablagerungen wie ein Stapel Pfannkuchen aussehen. Bereits beim Aussteigen aus dem Bus machte ich mich mit einer Kanadierin aus Quebec bekannt, die dasselbe Hostel wie ich gebucht hatte - ein hoch bewertetes YHA und BBH Hostel mitten im Wald. Zum Glück gibt es einen Busstop in unmittelbarer Nähe, denn bis zu den Pancake Rocks und dem Ort Punakaiki läuft man noch ca. 40 Minuten.
Da die Wettervorhersage für Donnerstag viel Regen verhieß, beschlossen wir den Nachmittag für die Erkundung der Umgebung zu nutzen und machten uns auf zu einer gemütlichen Wanderung am wunderschönen Pororari River. In einem Loop kamen wir zum State Highway 6 zurück und besuchten dort die Pancake Rocks. In unmittelbarer Nähe gibt es außerdem eine leicht zugängliche Höhle, die wir erkundeten.

Der Donnerstag startete bereits mit heftigen Windböen. Die stark schwankenden Bäume direkt vor dem Fenster zu beobachten wirkte einigermaßen bedrohlich, da das Hostel aus mehreren kleineren Cottages bestand, die im Wald verteilt sind. Es dauerte auch nicht lange, bis der erste umgeknickte Baum auf dem Weg zur Rezeption lag. Der Tag wurde also ausgiebig zum Chillen, Fotos sichern u.ä. genutzt, da an rausgehen nicht zu denken war. Nachmittags ließ der Wind etwas nach und ein Hauch von Sonne ließ sich erahnen, so dass ich mich prompt auf den Weg zum Strand machte. Das Schauspiel, das mich dort erwartete war im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend. Der extreme Wind peitschte über die Küste, erzeugte riesige Wellen und drückte das Wasser mit Gewalt gegen die Felsen.
Später erhielten wir von anderen Reisenden die Info, dass die Strasse durch den Sturm beschädigt worden sei. Wie groß der Schaden war, konnten wir allerdings nur schlecht einschätzen. Ab diesem Zeitpunkt wuchs die Sorge, dass die Weiterreise nicht wie geplant stattfinden würde. Die Nachrichten mit den Schadensmeldungen aus dem ganzen Land ließen nichts Gutes hoffen, der Intercity Bus aus Nelson musste kehrt machen und ließ seine Fahrgäste in Westport stranden. Also fragte ich beim Hostel nach, wie denn wohl die Chancen stünden, wenn ich meinen Aufenthalt unfreiwillig verlängern müsste. Leider war das Hostel für die folgende Nacht komplett ausgebucht. Dazu kam die Befürchtung, dass die Kombination aus Flut und Mitternachtsmond den Schaden an den Straßen noch vergrößern könnte. Es blieb also nur das Beste zu hoffen... Die Idee nach Hokitika zu fahren hatte ich inzwischen verworfen, da ich für Samstag den Tranzalpine von Greymouth nach Christchurch gebucht hatte, den ich nur ungern verpassen wollte. Also buchte ich mir ein Bett in Greymouth mit der Option dieses ggf. kostenlos zu stornieren.

Am Freitagmorgen war der Zustand der Strassen unverändert. Die Hoffnung, dass der Intercity Bus fahren würde, schwand. Die gute Nachricht war, dass die Reparaturarbeiten an der Strasse bereits gestartet waren. Die Mitarbeiter des Hostels machten uns dann doch Mut, dass sie uns auf jeden Fall einen Schlafplatz anbieten würden, falls wir nicht weiter reisen könnten. An der Rezeption trafen wir außerdem 2 nette Engländerinnen, die ein Auto hatten und ebenfalls nach Süden wollten. Sie boten uns an, dass sie uns mitnehmen würden, falls es möglich sein würde die Strasse zu benutzen.
Also war erstmal warten angesagt. Wir hofften auf eine offizielle Info von Intercity, aber die blieb aus. Letztlich schrieb ich dann kurz vor der geplanten Abfahrtszeit Intercity über Facebook an und erhielt dort die Info, dass der Bus unterwegs und "in service" sei. Von einer Freundin hatte ich allerdings die Info, dass der Intercity Bus zwar von Westport nach Greymouth fahren würde, aber nicht über Punakaiki. Parallel planten die Engländerinnen einen Versuch über die beschädigte Strasse zu wagen. Diese Chance wollten wir uns nicht entgehen lassen, also machten uns zusammen mit den Engländerinnen auf den Weg nach Greymouth.
An der stark beschädigten Stelle kurz vor den Pancake Rocks wurde es dann spannend. Wir mussten eine Weile warten, weil Baufahrzeuge den Weg blockierten. Letztlich konnten wir aber problemlos passieren und waren ziemlich erleichtert. Der weitere Weg nach Greymouth verlief ohne Zwischenfälle, so dass wir dort nach ca. 50 Minuten eintrafen. Die Kanadierin hatte sich entschlossen es weiter mit ihrer ursprünglichen Reiseroute zu versuchen und fuhr mit den Engländerinnen weiter Richtung Franz Josef Glacier.

Greymouth, ein eher unspektakuläres Örtchen, dass sich vor allem mit dem Abbau von Kohle rühmt, war aufgrund seiner strategisch günstigen Lage zum Arthur's Pass ziemlich überlaufen. Alle Reisenden, die nicht wie geplant weiter nach Norden oder Süden weiterfahren konnten, waren hier gestrandet. Mit dem Intercity Bus aus Westport, der über die Inlandsroute ausgewichen war, traf am Nachmittag die erwähnte Freundin ein. Gemeinsam erkundeten wir, was es zu erkunden gab und gelangten so am Grey River entlang zum Meer. Nach dem Abendessen machten wir uns dann gleich noch einmal Richtung Wasser auf, um einen durchaus hübschen Sonnenuntergang anzuschauen. So war unser unfreiwilliger Zwischenstop doch ziemlich erträglich und die Auswirkungen des Sturms auf unsere weitere Planung waren - vorläufig noch - überschaubar.

Liebe Grüße, Eure JIL

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