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Die beste Stadt der Welt

Am Sonntag musste ich das Hostel sehr früh verlassen. Das Reisebüro hatte zum Glück einen günstigen Flug nach Melbourne für mich gebucht. Dass der öffentliche Nahverkehr um diese nachtschlafenden Zeiten noch nicht in Betrieb ist und ich deshalb alle Einsparungen für das Taxi rausgehauen habe wurde bei der Kalkulation leider nicht berücksichtigt. Als ich am Flughafen ankam musste ich zu meinem Entsetzen feststellen, dass der Flug gecancelled worden war. Offenbar wollte kein Mensch so früh fliegen, so dass die Fluggesellschaft sich den Aufwand gespart hat, abzuheben. Schließlich gab es im Laufe des Vormittags noch diverse andere Flüge nach Melbourne, so dass man die wenigen Fluggäste kurzerhand umbuchte. Im Terminal von Quantas war ebenfalls noch nichts los. Als die Check-In Schalter dann endlich öffneten konnten wir aber immer noch nicht einchecken, da unsere Daten noch nicht übermittelt worden waren. Also schickte man uns wieder zurück zum Service Schalter von Jetstar. Irgendwann konnten wir dann aber doch einchecken und der Rest der Reise verlief problemlos.
Mit dem Skybus fuhr ich in die Stadt und stellte meinen Rucksack im Hostel ab. Zum Einstieg in die neue Stadt bot sich wieder eine Free Walking Tour an. Und ich war gespannt auf Melbourne, denn offenbar gibt es einen dauerhaften Wettstreit zwischen Sydney und Melbourne, welche Stadt die bessere ist. Und praktisch jeder hat mir erzählt wie großartig Melbourne ist. Nachdem ich Sydney schon ziemlich genial fand war meine Erwartungshaltung dementsprechend hoch. Der erste Eindruck, der mir auf der Tour vermittelt wurde, war einigermaßen ernüchternd. Auf den ersten Blick konnte ich jedenfalls nicht erkennen, warum Melbourne besser sein sollte als Sydney.
Nach Abschluss der Tour drehte ich eine Runde auf einem kleinen Kunsthandwerkermarkt und besorgte mir dort etwas mexikanisches zu essen. Anschließend begab ich mich ins Hostel und holte fehlenden Schlaf nach.

Am nächsten Morgen war ich früh wach, konnte mich aber nicht motivieren sofort durchzustarten. Den Vormittag verbrachte ich mit Schlafen und Wäsche waschen. Gegen nachmittag wurde das Wetter besser und ich raffte mich auf nach draußen zu gehen. In der Nähe des Federation Square tobte das Moomba Festival, eine große Kirmes ähnlich dem münsterischen Send. Das Festival Gelände erstreckt sich in einem Park rechts und links des Yarra Rivers. Ich lief eine Weile auf dem Festival Gelände herum, bis ich bemerkte, dass auf dem Wasser etwas vor sich ging. Offenbar wurde dort gerade das Finale in einem Wasserski Wettspringen ausgetragen. Gegen 4 traf ich mich mit einigen Couchsurfern, die ebenfalls den Wettkampf verfolgten. Später wechselten wir in eine Bar, wo wir noch weitere CSer trafen. Das Treffen löste sich aber bald auf und gemeinsam mit einem jungen Ägypter drehte ich noch eine Runde über das Festival. Ein weiterer CSer wollte sich uns anschließen und im Weiteren folgte ein ziemlich sinnloses Herumlaufen durch die halbe City, auf der Suche nach dem ein oder anderen Meetup. Nach ca. einer Stunde hatte der Argentinier keine Lust mehr und klinkte sich aus. Der Ägypter hatte wohl das Gefühl, dass er mir irgendwas Sehenswertes in der Stadt zeigen müsste, also liefen wir erneut durch die halbe Stadt um uns den Shrine of Remembrance anzuschauen. Abgesehen davon, dass mein Bedarf an War Memorials bereits in Neuseeland für die nächsten 30 Jahre gedeckt wurde, war der Shrine aufgrund seiner Größe dennoch beeindruckend und auch im Dunkeln ganz nett beleuchtet. Anschließend liefen wir wieder zurück zum Festival Gelände um uns dort das Feuerwerk anzuschauen. Alles in allem ein ziemlich erfolgloser Tag...

Am Dienstag morgen war ich immer noch ziemlich unmotiviert. Ich hatte die Idee mir eine Ausstellung über die Aborigine anzuschauen. Aber dann erhielt ich die Nachricht von einer jungen Deutschen, die in Melbourne wohnt und mit der ich mich auf einen Kaffee treffen wollte. Ich frühstückte in einem netten Café in der Nähe der Flinders Station und ging dann spontan in ein Reisebüro, um meine Möglichkeiten für einen Besuch von Kangaroo Island auszuloten.
Gegen Mittag fuhr ich nach Elwood und ließ mir von dem deutschen Mädel erklären was so toll an Melbourne ist. Sie gab mir dann auch einige gute Tipps und deutlich motivierter kehrte ich am Nachmittag ins CBD zurück. Dort suchte ich erneut das Reisebüro auf und bestätigte meinen Trip nach Kangaroo Island. Anschließend besuchte ich den botanischen Garten von Melbourne und relaxte ein wenig vom Großstadtstress.
Gegen Abend schlenderte ich durch Southbank am Flussufer entlang und kehrte in einem der vielen Restaurants zum Abendessen ein. Später fand ein weiteres CS-Meeting im Captain Melville statt, wo ich den netten Ägypter wieder traf.

Den Mittwoch begann ich entspannt mit Yoga und Meditation. Nachdem ich gefrühstückt hatte machte ich mich auf den Weg zum Melbourne Museum, wo ich mir noch die Aborigine Ausstellung anschauen wollte. Eine durchaus sehenswerte Installation mit vielen persönlichen Geschichten von Betroffenen aus der Zeit der englischen Besiedlung und späteren Assimilationspolitik.
Anschließend flanierte ich durch die Straßen und Shopping Malls des CBD. Am späten Nachmittag traf ich mich wieder mit meinem ägyptischen Freund und gemeinsam erkundeten wir den Victoria Night Market - eine bunte Mischung aus Fressbuden, Handwerkskunst und Musik. Wir schlugen uns den Bauch voll und gingen anschließend im Flagstaff Park spazieren. Dann trafen wir uns mit 2 Freunden von ihm in einer Shisha Bar und eine Weile lauschte ich der Diskussion über die Immigrationspolitik von Australien. Gerade als wir uns auf den Weg nach Hause gemacht hatten, erhielt mein Freund einen Anruf aus Sydney. Ein Freund eines Freundes war gerade aus Ägypten in Melbourne gelandet und die Buchung des Hostels war aus irgendeinem Grund fehl geschlagen. Wir trafen den jungen Mann, der völlig unter Kulturschock stand, in der Nähe meines Hostels und mein ägyptischer Freund half ihm, ein Bett für die Nacht zu finden.

Meinen letzten Tag in Melbourne startete ich ebenfalls gemütlich. Nach dem Frühstück wollte ich meinen Rucksack packen, da ich am nächsten Morgen sehr früh raus musste, um meine Tour auf der Great Ocean Road zu starten. Als ich meinen Rucksack hochnahm traute ich meinen Augen kaum. Da saß doch tatsächlich eine kleine Maus unter dem Rucksack. Und wenn mich so etwas normalerweise nicht aus der Ruhe bringt - ich fand die Vorstellung einer toten Maus in meinem Gepäck alles andere als akzeptabel. Ich ging also schnurstracks zur Rezeption und informierte das Personal. Die Manager haben sich auch gleich engagiert ans Werk gemacht. Zurück im Zimmer stellte ich fest, dass die Maus noch quicklebendig war. Das erschwerte jedoch das Unterfangen, die Maus aus dem Zimmer zu holen, ungemein. Nachdem wir eine Weile Katz und Maus gespielt hatten nahm ich das Angebot an, das Zimmer zu wechseln und brachte meine Klamotten in mein neues Einzelzimmer. Nachdem man dann das Bett aus dem Zimmer gebracht hatte, ließ sich auch die Maus aus dem Zimmer in den langen Flur scheuchen wo ein junger Mann vom Zimmer-Service beherzt ein Laken auf die kleine Maus warf und sie damit festsetzte. Kurz darauf freute sich die Maus über ihre neu erlangte Freiheit auf den Straßen von Melbourne.

Gegen Mittag nahm ich einen Zug nach Brighton Beach und begab mich dort auf den Coastal Walkway. Am Strand von Brighton finden sich eine Reihe farbenfroh getünchter Holzhütten, die häufig als Postkartenmotiv dienen. Am Strand und der Küste entlang lief ich bis nach St. Kilda. Dieser beliebte Strandort wartet mit interessanter Geschichte, einer italienisch anmutenden Strandpromenade und dem Luge Park, dem ältesten Vergnügungspark in Australien auf. Außerdem gibt es seit einigen Jahren eine Pinguinkolonie, die sich auf einem künstlich errichteten Wellenbrecher angesiedelt hat.
In St. Kilda schloss ich mich als erstes wieder einer Free Walking Tour an und erfuhr jede Menge über die Geschichte, die Verbrecher und die Musikszene von St Kilda.
Nach der Tour bewunderte ich den Sonnenuntergang über dem Meer und begab mich dann auf den Pier, um mal wieder mein Glück mit den kleinen blauen Pinguinen zu versuchen. Und tatsächlich, diesmal hatte ich Glück und konnte einen Blick auf ein paar dieser niedlichen Tiere werfen. Zurück an der Strandpromenade lauschte ich eine Zeit lang der Performance einiger Drummer, die sich dort regelmäßig versammeln. Anschließend nahm ich die Tram zurück in die City, um mich noch einmal mit meinem ägyptischen Freund zu treffen. Fast bis Mitternacht lief ich mit ihm durch die Straßen von Melbourne und freute mich einfach über seine Gesellschaft.

Liebe Grüße, Eure JIL

P.S. Die Menschen, die ich in Melbourne getroffen habe, haben mir übrigens geholfen zu verstehen, warum Melbourne die beste Stadt der Welt ist. Melbourne ist das 6. Jahr in Folge die lebenswerteste Stadt der Welt. Diese Lebensqualität lässt sich in 2 Tagen jedoch schwer erfassen und nach 5 Tagen bekommt man ein vages Gefühl dafür... Ich bin jedenfalls froh, dass ich nicht wie ursprünglich geplant nach 2 Tagen wieder abgereist bin!

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