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TRAVELING AROUND THE WORLD

Von der Ausziehcouch in die Business Class

Ich habe mir ja echt Gedanken gemacht, wie kann ich diesen Artikel kurz halten, knackig und flüssig zum Mitlesen mit unseren abgefahrenen Erlebnissen der letzten Woche. Nach reiflicher Überlegung hab ich mir dann gedacht: Hey, das ist hier dein Reiseblogg, deine Reflektion der vergangenen Tage, also geht’s heute richtig zur Sache. Holt euch noch einen Kaffee und ein Stück Kuchen, denn wir haben euch einiges zu erzählen.

Aber zu aller erst machen wir eine Zeitreise etwas mehr als ein Jahr zurück. Noch in unseren Träumen versunken von einer Weltreise zu zweit, waren wir uns bei 99% der Länder einig. Ziemlich unkompliziert hatten wir schnell eine Route vor Augen, wäre da nicht, jaaa wäre da nicht Australien gewesen. Zum Glück konnte ich mich in diesem Punkt gegen Lisa durchsetzen und ich weiß genau, wenn Sie diese Zeilen hier gleich lesen wird, dann heißt es wieder: „Ey ne, spinnst du? Ich hab’ nie gesagt, dass ich auf keinen Fall nach Australien will“. Lasst es euch gesagt sein, es brauchte einiges an Überzeugungsarbeit, um Australien endgültig auf unserer Route zu etablieren. Damit war das Thema aber noch lange nicht abgeschlossen, denn auch die Tagesanzahl mussten wir lange durchkauen. Dieses Mal ging es allerdings um das gute Geld, denn klar war, dass wir uns in Australien nur einen Eindruck verschaffen können mit unseren vorhandenen Ressourcen. Auch die Überlegung in Australien zu jobben wurde schnell ad acta gelegt, denn damit hätten wir unsere Reisezeit deutlich überschritten. Und trotz all dieser Hürden, Ängste und Sorgen hatte Australien nicht nur eine ganz besondere Überraschung für uns parat.

Schon bei unserer Ankunft in Sydney wurden wir von den Flyern, Fahnen und Werbespots zum Australia Day regelrecht erschlagen. Australia Day ist der Tag an dem die Briten in Australien gestrandet sind und wird jährlich mit einem großen Fest gefeiert. Ich will euch wirklich mit dem Schulfach Geschichte verschonen, aber bei unserer Freewalking Tour haben wir echt viel über diese ehemalige Kolonie erfahren und es ist schon interessant, dass die „Aussies“, wie sich die Australier selbst nennen, sich fast ausschließlich aus den kriminellen Briten der Vergangenheit zu dieser Nation entwickelt haben.

Glück, ist schon ein witziges Wort. Sollte eigentlich etwas unerwartetes besonders eindrucksvolles oder verschonendes Bedeuten. Aber wie nennt man das, wenn man konstant über Tage und Wochen Glück hat? Segen.

Dieser Segen hat uns am Tag vor dem Australia Day zur Freewalking Tour geführt und anschließend zum Opernhaus. Was sich dort abspielte war mal wieder atemberaubend. So langsam fehlt einem dahingehend wirklich die Luft zum Atmen, soviel steht fest. Denn in der Abenddämmerung wurde gerade für den morgigen Auftritt geprobt und so bekamen wir mit einigen hundert Zuschauern ein ganz persönliches Konzert mit Guy Sebastian und Dami Im, welche beide schon beim Eurovision Songcontest angetreten sind. „I’m gonna swing from the chandelier ,from the chandelier and I’m gonna live like tomorrow doesn’t exist..“ für Lisa gab es noch ein Cover von ihrem absoluter Lieblingssängerin Sia und dann ging es ab nach Hause. Mit dem Bus...

Tipps von Einheimischen sind doch das Beste für einen Reisenden oder? Nicht in den öffentlichen Verkehrsmitteln von Sydney. „Dude, go and get you an opal card!“ Auf gar keinen Fall! Der komplette Nahverkehr in Sydney ist bargeldfrei geworden, klasse oder? Die Opalcard kostet nichts, aber noch besser: Hast du keine Opalcard, dann fährst du in 70% der Bussen umsonst mit. Aus Lustlosigkeit die Geldtasche zu suchen oder einfach weil keine vorhanden war, wurden wir kostenlos mitgenommen und haben in den sechs Tagen knapp 30€ gespart. Nicht schlecht oder?! Und bitte denkt daran, auch wenn ihr gleich die nächsten Absätze gelesen habt, 30€ sind ein Tagesbudget für uns beide. 

Melbourne. Okay, Leute ich muss jetzt schon lachen. Nochmal von vorne.

Avalon. Nichts auf der Reise hat uns soviel Kopfzerbrechen bereitet, wie dieser gumlige kleine popel Flughafen Avalon. 50 Kilometer von Melbourne entfernt steht eine kleine Halle. Darin befinden sich circa 6 Mitarbeiter in zwei Räumen, ein kleines Gepäckband und zwei Busse. Nennt sich dann Flughafen Avalon. Vor unserer Ankunft wussten wir echt nicht, wie wir von diesem Flecken Erde Richtung Melbourne kommen sollten. Im Internet fanden wir nur Taxis und Uber für 80€ pro Fahrt. Schluck. Aber, Gott sei Dank, gab es ein Shuttle das uns direkt in die Innenstadt brachte, was dann geschah, glaubt uns keiner! Nicht einmal wir selbst.

In unseren Artikeln hatte ich euch schon berichtet, dass unser Freund Manu uns mit seinen Bonuspunkten ins Radisson Blu eingeladen hat. Wir waren so voller Vorfreude auf das Zimmer, immer noch mit einem etwas mulmigem Gefühl, ob das denn auch alles so klappen sollte. Als wir dann mit unseren Backpackrucksäcken durch die Tür stampften, hatten wir schon einmal alle Blicke auf uns gerichtet und wahrscheinlich wollten diese zwei jungen Backpacker nur nach dem Weg zum nächsten Hostel fragen, dann begann unser erster Luxus- 5 Sterne-Aufenthalt zu zweit:

„Hey Mr. Marvin Schultz, I can see on my display that you are part of our membership programm as a buisness class member“

“Suuuuuure??!”

Mit etwas verängstigtem Blick und offenem Mund standen wir da, als uns eröffnet wurde, was da auf uns wartet. Ein Upgrade in die Buisnessclass mit Blick direkt auf den Flaggstaffgarden, täglich ein Frühstücksbuffet, eine Flasche Rotwein und handgemachte Schokolade. Ich möchte euch an dieser Stelle noch einmal vor Augen führen, dass wir zuvor auf einer Ausziehcouch geschlafen haben und nur reduziertes Brot von Woolworth gegessen haben, um in Australien von unserem Geld leben zu können. Als wir schon losgehen wollten, stockte die Frau an der Rezeption. Achja, der Herr Pandey (also Manu) hat für Sie noch ein Überraschungsessen für morgen um 19 Uhr organisiert. Ist schon bezahlt, also keine Sorge.

Anschließend brachte der Concierge uns auf unser Zimmer mit der Flasche Wein und der Schokolade im Arm und zeigte uns unser Zimmer. Mit auf unserer Etage: Piloten, Manager und wohlmöglich auch einige Tennisstars, die gerade bei den Austalien Open teilnahmen.

Als sich die Tür dann schloss, mussten wir beide sofort lachen. Bestimmt drei Minuten konnten wir nicht aufhören, so überwältigt waren wir. Wir zwei Reisenden, die noch versucht haben irgendjemanden bei Couchsurfing zu finden, waren nun in der Buisness Class vom Radisson Blu. 

Natürlich war das Frühstück ein Gedicht und wir genossen es in allen Zügen. Anschließend wurde es etwas peinlich, aber was soll’s. Da wir uns natürlich im Leben den Reinungsservice hier nicht leisten konnten, machten wir uns mit der dreckigen Wäsche im Gepäck auf den Weg durch die Eingangshalle auf der Suche nach einem günstigen Waschsalon. Wieder einmal waren wir der Hingucker im Hotel. Beim Rausgehen sahen wir dann noch ein Angebot des hoteleigenen Restaurants : Hauptspeise mit Vor- oder Nachspeise für 49$. Woooow, das wäre so geil, wenn wir so ein Essen später bekommen würden. Aber egal, alles was kommen würde wäre viel viel viel viel viel viel mehr als das was wir jemals hätten erwarten können. Anschließend gingen wir noch durch den Queen Victoria Markt und durch die Innenstadt und beflügelt von den Glücksgefühlen hätte Melbourne wohl auch wie Cottbus aussehen können und wir hätten es überragend gefunden. Aber auch jetzt noch kann ich sagen, Melbourne ist echt super!

Tick Tack Tick Tack

Um 19 Uhr standen wir dann in unserer besten Montur vor dem Restaurant, wobei beste Montur immer noch viel zu schlecht aussah für dieses Ambiente, aber gut. Anschließend wurden wir zu unserem Tisch gebracht, der Tisch mit dem besten Ausblick im ganzen Restaurant. Zwischen den Gewürzen eine Karte. Darin stand von Manu geschrieben „dass er sich bei uns bedanken möchte für unsere gemeinsame Zeit und Freundschaft und wir im Anschluss ein 4-Gänge Menü bekommen werden“. Spinnt der? Bei uns bedanken? Uns blieb echt die Luft weg. Der Kellner stellte uns anschließend die Karte vor: Wir konnte uns jedes Gericht auf der Karte bestellen, Vorspeise, Hauptspeise und Dessert. Außerdem tauschten wir die Flasche Rotwein gegen sechs (!) Cocktails ein. Noch nie, ich wiederhole noch nie, haben wir so etwas je gegessen. Calamari und Beeftatar zur Vorspeise, anschließend Entenbrust und Ribeye Steak und zum Abschluss Lemon Meringue und Tarte au chocolate. Dazu Espresso Martini oder Blue Lagoon. Mehr geht nicht! Und mit Sicherheit haben wir vor der Reise uns nicht einmal erträumt so etwas in diesem Jahr zu erleben.

Wäre das alles nicht genug des Guten wurden wir von Manu auch noch zum Eureka Skydeck eingeladen und konnten aus knapp 250 Metern Höhe fast das Frauen Finale der Australien Open mitverfolgen. Die Zuschauer haben wir auf jeden Fall gesehen.

So, und jetzt zu Manu: Wenn du das hier liest, dann solltest du erstmal wissen, dass du komplett verrückt bist uns in so einem Maße zu beschenken. Das war viel viel zu viel, aber wir hoffen, dass du uns zu Weihnachten besuchen kommst und wir dir einen Bruchteil davon mit schönen Erlebnissen wiedergeben können.

Wäre all das nicht schon genug gewesen, stand auch noch unsere Great Ocean Road Tour an. Und wie sollte es anders sein? Wir hatten bestes Wetter, durften einige der schönsten Orte dieser Erde sehen und sahen auf dem Weg auch noch wilde Koalas. Während eine Gruppe von knapp 50 Leuten einen Koala im Baumgipfel beobachteten hatte, hatten wir „das Glück“ einen Koala direkt vor uns zu finden und konnten uns knapp 10 Minuten dieses faszinierende Tier ganz alleine bestaunen bevor die Massen uns registrierten und das Tier belagerten. Nach knapp 13 Stunden waren wir wieder im Hotel und ich kann auch sagen, dass es mir schon einiges abverlangt heute diese Zeilen zu tippen. Ich hab das Gefühl, dass mein Zeigefinger durch die ganzen Anschläge eine leichte Prellung erlitten hat.

„Concierge, eine Handmassage für Zimmer 91, bitte“

P.S.: Zum Glück haben wir für Auckland einen Couchsurfing Host gefunden, damit wir uns Essen im Supermarkt leisten können und wieder den Weg auf den Boden der Tatsache finden.

 

Royale Grüße aus unserem Königsappartment.

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Ulrike Geiselmann

vor etwa 9 Monaten

Da habt ihr ja einen wirklich tollen Freund getroffen, das Menü hat sich toll angehört, und wer bitte hat die 6 Cocktails getrunken ? Lisa trinkt doch keinen Alkohol, naja gibt ja auch antialkoholische Cocktails ! Viel Spaß weiterhin,Bilder super ! U & P

Ulrike Geiselmann

vor etwa 9 Monaten

Was ihr beide so erlebt ist kaum in Worte zu fassen. Geniesst jeden Tag, egal ob auf der Couch oder Königsuite, die Begegnungen, Erfahrungen, Eindrücke zählen. Wir beneiden euch auch ein klein bißchen, aber da wir an allem teilhaben können , super ! U&P


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