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TRAVELING AROUND THE WORLD

Augen zu und durch

Freundschaft kann viel bewegen und verändern. Wie zum Beispiel unsere Reiseroute: Erst war Mexiko drauf, dann wieder runter, um am Ende eines unserer meist ersehnten Reiseziele zu werden. Zu verdanken war es José, unserem Gastgeber aus Jerusalem, der sich nochmals acht Tage mit uns zumuten wollte und uns in seine Heimat Texcoco einlud.

In gewohnter Manier wurden wir von José natürlich persönlich abgeholt und bereits am Flughafen setzten wir uns in ein kleines Café als wären wir nie woanders gewesen. Er ist einer der Freunde, die wir nie vergessen werden, weil er für jeden verrückten Quatsch zu haben ist, aber dazu später mehr...

Halb verhungert machten wir uns auf den Heimweg von circa einer Stunde vom Flughafen Richtung Texcoco. Und am Ende der Straße stand sie dann, die Taqueria. Gringa, Tacos und Torta bringen mein Herz immer noch zum höher schlagen. In unserer Vorstellung sahen wir uns oft am Esstisch von Josés Mutter mit der besten Hausmannskost von ganz Mexiko. Schon auf der Hinfahrt erfuhren wir, dass Sie sich im Urlaub befindet und unser Taco-Gedankenkartenhaus krachte zusammen. Was wir nicht wussten, Josés Vater ist ein genauso begnadeter Koch und lud uns täglich zum Essen ein. Eine gigantische Gastfreundschaft gekrönt von Mole, Tacos und Kaktus-Salat. Hört sich ganz schön essenslastig an, aber ich kann euch beruhigen, wir sind zwischendurch auch Kaffee trinken gegangen (die nächsten drei Wochen sind wohl Wiedergutmachung angesagt, nach all den Sünden).

Natürlich waren wir auch zusammen unterwegs, besonders die Ausflüge außerhalb von Mexiko City bleiben uns in Erinnerung, wie das gemeinsame Wandern, die Erklimmung der Pyramiden oder unser Ausflug in die Berge und zu den „Hot springs“.

Mexiko City ist nicht in Worte zu fassen. Die Metropole ist so riesig, dass unsere Gehirne es bis heute nicht verarbeiten konnten. Wie in vielen Städten in Lateinamerika sind die eigentlichen Highlights die Stadtteile. In Namen: La Roma, Coyoacan oder der Bereich um das Bellas Artes. Eigentlich wollten wir noch ins Frida Kahlo Museum, aber bei 3 Stunden Wartezeit überlegten wir es uns doch anders. Mexiko City gehört wohl zu den gefährlichsten Städten der Welt und doch fühlten wir uns sicher und vor allem willkommen. Die Menschen starrten uns nicht an, wie in manch anderen Ländern, sondern lächelten und halfen wo sie nur konnten. Aber es gibt eine Sache an die wir uns nie gewöhnen werden: die Armut.

Am Anfang war es oft ein Augen zu und durch und hoffen das nichts passiert. Heute versuchen wir mit unseren Möglichkeiten den Familien hier zu helfen und lassen oft mal den ein oder anderen Euro in einer offenen Hand statt in noch einen Cappuccino Crema. Es zerreißt einem das Herz, wenn Kinder im Alter unserer Nichten auf der Straße stehen um kleine selbstgemachte Puppen zu verkaufen. Natürlich wissen wir, dass wir die Welt damit nicht ändern können, aber wenn wir am Tag ein paar wenige Menschen glücklich machen können, dann ist das doch mehr als nichts zu tun.

Als wir also in das Café Lorenz gingen, um auf José zu warten, freuten wir uns unheimlich über die liebevolle Art der Mitarbeiter und hinterließen ein nettes Trinkgeld. Nachdem wir abgeholt wurden war José regelrecht geschockt, denn in diesen Stadtteil würde er nie einen Fuß setzen. So viel Kriminalität und doch gibt es auch an diesen finsteren Orten so viel Licht, Freude und herzliche Menschen. Diese Erfahrungen sind vielleicht die bedeutendste auf der Reise, viel wichtiger als ein Besuch von der Christusstatue in Rio.

Gestern hatten wir mal wieder einen Gedankenblitz. José stellte die Behauptung auf, dass wir zu Fuß schneller sind als das Auto im Stau, also sagte ich „okay, dann lass es uns ausprobieren“. Auf einem Highway ähnlich einer Autobahn nahmen wir also den Seitenstreifen und joggten los. Gefühlt 150 Meter später musste José aufgeben und ich lief noch einige hundert Meter weiter. Bis... ja bis ich eine Sirene hinter mir hörte. Beim Umdrehen sah ich dann die Polizei mit Blaulicht circa 100 Meter hinter mir. Wie angewurzelt blieb ich stehen und fühlte vielleicht das erste Mal in meinem Leben wie mir das Herz in die Hose rutschte. Langsam fuhr die Polizei auf mich zu, ich setzte meine Mütze ab und überlegte mir schon wie ich erklären würde, was ich hier tat. Doch der mit fünf bewaffneten Schützen besetzte Truck fuhr langsam an mir vorbei. Im Auto rangen alle nach Luft, weil sie sich so schlapp gelacht haben und ich, weil der Schock mir die nächsten zehn Minuten erstmal in den Knochen saß. Offensichtlich hat die Polizei hier in Mexiko aber weitaus größere Probleme, als einen verrückten Weißen mitten auf der „Autobahn“. In Deutschland wäre wahrscheinlich eine saftige Strafe fällig gewesen.

Schon Samstag geht es dann weiter nach Cancún mit eigenem Mietwagen, sollte uns die Polizei dort anhalten, weiß ich jetzt wie ich mich verhalten muss: einfach Augen zu und durch!

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