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TRAVELING AROUND THE WORLD

Das Leben ist (k)ein Wettbewerb

Ganz genau kann ich mich noch an den Tag erinnern, an dem ich mein neues Iphone 6S zugeschickt bekommen habe. Das erste Mal in meinem Leben habe ich mir ein wirklich wertvolles Smartphone zugelegt und war stolz wie Bolle. 500 Euro für ein Smartphone, das war für mich eine riesige Überwindung. Ungefähr zehn Mal saß ich da und drückte den Knopf zum Kauf nicht, weil ich es mir kurzfristig anders überlegte. Als es dann da war, war ich einfach nur happy. Nur wenige Tage später zeigte mir Daniel sein neues Iphone 7, etwas schneller, bessere Kamera und für einen kurzen Moment durchdrang mich das Gefühl, was uns doch so oft begleitet: der Neid. „Oh man, wieso hat der jetzt ein besseres Iphone, einen größeren Fernseher, ein größeres Auto“. Dieses Gefühl verließ mich aber schnell, denn mittlerweile habe ich gelernt, Menschen etwas von Herzen zu gönnen.

In den Jahren des Sparens haben wir und besonders ich lernen müssen, dass es nicht dramatisch ist, wenn das Auto etwas älter oder der Fernseher etwas kleiner ist. Werbung und der gegenseitige Druck auf sämtlichen Social Media Seiten lassen uns manchmal fast depressiv werden, weil uns ja noch soviel zum perfekten Leben fehlt.

Ich hoffe ihr seid jetzt nicht neidisch, aber wir führen zurzeit das perfekte Leben. Nicht das perfekte Leben für jeden, aber das perfekte Leben für uns beide, genau zu diesem Zeitpunkt.

Man mag es kaum glauben, aber diesen unglaublichen Wettbewerb gibt es natürlich auch bei Reisenden. Wir trafen hier in Cancun zwei Geschwister, die nun für 15 Monate mit dem Fahrrad durch Lateinamerika fahren werden. Long story short: die Erzählungen und Planungen wurden von einer gewissen Arroganz begleitet und da keine Gegenfragen kamen, erfuhren Sie nur durch Zufall am dritten Tag, dass wir schon seit über acht Monaten auf Weltreise sind. Als die Fragerei hierzu begann, spürte ich eine Mischung aus Neid und Missgunst, wenn ihr mich fragt, total überflüssig.

Hier in Cancun gibt es jede Menge zu erzählen. Begonnen haben die Turbulenzen schon mit unserem Mietwagen. Gebucht bei „Rent a Car Cancun“, Buchungsbestätigung durch „Caribbean rent a car“ mussten wir unser Auto dann „American cars“ abholen, auch dieser Gang stellte eine echte Hürde dar, denn Google Maps kommt mit den Adressen aus Mexiko nicht so klar und wir brauchten circa 45 Minuten, um das Servicecenter zu finden. Wie so eine Adresse aussieht? Ave. Tulum Mz 1 Lt -13 Local 2 SM -5 C.P. 77500, Cancun. Ganz klar oder?

In den folgenden Tagen besuchten wir Playa del Carmen und Tulum. Wobei man sagen muss, dass diese Orte wirklich unglaublich überlaufen sind, quasi das Mallorca in der Karibik. Die Menschen hier sind aber unglaublich freundlich, so lud uns ein Touristenguide in seinen Laden ein und gab und 90 Minuten Tipps für unsere Reise, verlangte keinen Euro und versuchte nicht einmal uns eine Tour zu verkaufen. Der Strand von Tulum ist dann tatsächlich ein Platz, den man sich als Paradies vorstellen darf. Wir gönnten uns einen Kaffee und eine Mangoschorle und stiefelten anschließend zu den Maya-Ruinen, die ebenfalls direkt am Strand liegen. Durch unser begrenztes Budget machen wir schon einmal Pläne für die nächsten Tage, die wir wie fast immer wieder über Bord warfen und einiges veränderten.

Morgens um 4:45 Uhr klingelte der Wecker und wir machten uns auf den Weg zu der Chichen Itza Pyramide, eines der sieben Weltwunder. Schon auf dem Hinweg machte ich mir Gedanken, ob es nicht cool wäre noch zu den Flamingos zu fahren, aber wir schoben die Entscheidung erst einmal auf, denn wir wussten ja nie, wielange wir an den Orten wohl warten müssten. Aber von Anfang an lief alles reibungslos: Ohne Wartezeit ging es zu dem Maya-Tempel und nach einer Stunde stand der nächste Zwischenstopp auf der Tagesliste, die Cenote X`keken. Einfach nur ein Träumchen. Fast alleine schwammen wir in diesem unterirdischen See und dem klaren Wasser. Eigentlich konnten wir es selbst kaum glauben, denn normalerweise sind diese Orte extrem überfüllt, aber unser früher Wecker hatte sich wohl ausgezahlt. Nach ein paar Runden mit den tausenden Fischen im See hieß es wieder einsteigen in unser inzwischen auf etwa 50 Grad aufgeheiztes Auto. In dem kubanisch anmaßenden Städtchen Valladolid beschlossen wir uns einen schönen Platz zu suchen um den Koffein-Haushalt wieder auszugleichen und eine Entscheidung für den Verlauf des restlichen Tages zu fällen. Doch nach und nach kamen wir zu sehr ins Schwärmen von diesem Flecken und besuchten noch den lokalen Markt und gönnten uns ein paar Honig-Erdnuss-Bonbons. Auf dem Weg zum Auto stand es dann fest. Wir fahren zu den Flamingos! Nach 130 Kilometern kamen wir dann in Rio Largatos an. Kennt ihr das Lied? „Mir fehlen die Worte, hab die Worte nicht, dir zu sagen was ich fühl“ von Tim Bendzko. Guckt euch die Fotos mal an, dann wisst ihr was ich meine. Schon auf dem Fussweg zum Strand wurden wir angesprochen für eine Flamingotour, 35€ wenn man die Tiere ganz nah sehen will, 30€ von weiter weg. Mit gerunzelter Stirn standen wir da, ich meine, natürlich will man die Flamingos aus der Nähe sehen. Ab aufs Boot und los ging die wilde Fahrt. Auf dem Hinweg sahen wir auch noch ein Krokodil aus zwei Metern Entfernung mit geöffneten Mund. Ich hab mir fast in die Hose gemacht, um ehrlich zu sein. Aber dafür sind wir nicht gekommen, wo waren die Flamingos? Etwa zehn Minuten später machten wir Halt an einer Bucht und die Mine des Tourguides verfinsterte sich. Nach einer Minute zeigte er auf einen Punkt und gab uns das Fernglas. Doch selbst mit dem Hilfsmittel, waren die Tiere kaum zu sehen. Ich dachte er macht noch einen Spaß mit uns, als er uns zu verstehen gab, dass dies der Höhepunkt der Tour sein sollte wurde ich stocksauer. Was für eine Frechheit. Wir blieben noch fünfzehn Minuten, aber es änderte sich nichts und ohne ein Wort zu wechseln stieg ich ins Boot. Ich überlegte mir schon wieviel Geld ich diesem Abzocker abziehen würde für diese Tour, doch dann geschah das, was immer passiert, wenn wir auf der Suche nach Tieren sind. Weniger als 20 Meter neben uns landeten drei Flamingos. Wow unglaublich! Und wir hörten den Guide hinter uns lachen, sichtlich erleichtert und wir waren auch glücklich. Gegen 17 Uhr machten wir uns also auch den Rückweg nach Hause und als wir die Autobahn Richtung Cancun verließen war ich schon voller Vorfreude auf unser Bett nach einer Fahrzeit von acht einhalb Stunden. Aber die Polizei hatte etwas dagegen. Kurz vor unserer Unterkunft wurde ich aus dem Verkehr gezogen mit der Begründung ich sei viiiiiiel zu schnell gefahren. 130 € oder mein Führerschein ist weg. Schon früh merkte ich, dass der Polizist nur am Pokern war und das Geld in seine Tasche stecken würde. So erzählte er uns von einem 50% Rabatt, wenn wir ihm das Geld direkt zahlen würden. Immer wieder fragte ich wofür, denn auf dem Streckenabschnitt den er uns beschrieb mit einer 60er Zone waren wir gar nicht unterwegs. Es ging also nur darum die dummen Touristen mit ihrem Mietwagen abzuziehen. Unauffällig zog ich einen zwanzig Dollarschein aus meinem Portemonnaie, in dem noch weitere 200 Dollar waren und sagte ihm, dass es sich dabei um unser letztes Geld handele. Weitere fünfzehn Minuten versuchte er weiteres Geld von uns zu erpressen, aber wir gaben nicht nach und er begnügte sich mit dem angebotenen Schein. Korruption hautnah erleben ist aber nicht nur eine krasse Geschichte, sondern auch etwas beängstigend, denn was kannst du schon gegen die Polizei machen?

Am Sonntag geht es weiter nach Kuba und wir sind schon voller Vorfreude unseren Mietwagen abzugeben. Wer möchte an unserem Wettbewerb teilnehmen? Statt größer, teurer und schneller gewinnt glücklicher, strahlender und zufriedener.

Viele Grüße von den braungebrannten Kartoffeln.

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u.geiselmann@web.de

vor etwa 8 Monaten

Hallo ihr zwei, wir sind wieder begeistert von eurem Blog.Wie kann man soviele Eindrücke verarbeiten ? Es ist für uns schon ein Erlebnis alles zu verfolgen und auch die schönen Bilder dazu !!! Danke, das ihr uns teilhaben lässt !! Uns geht es gut ,


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